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Hast Du gut geschlafen?

13. September 2011

Der vergangene Mittwoch war ein echt anstrengender Tag.
Ich traf anstrengende Kinder, hörte unfassbares von anstrengenden Müttern und unsägliches von Lehrern, wo ich nur den Kopf schütteln und mir auf die Lippen beißen konnte.
Zu allem Überfluß entleerte noch die Batterie einer unserer vielen Rauchmelder ihre letzte Energie und schlug Alarm. Es ist dann nicht so, daß nur diese eine Rauchmelder aus vollen Kräften piept... Nein... Die Mistviecher sind funkverbunden, und es schreien dann ALLE Rauchmelder herz- und trommelfellzerreißend. Die anderen kann man nach und nach ausstellen, aber der betroffene brüllt einem dann noch weiter seinen Zustand in die Frisur. Solange, bis man ihm eine neue Batterie in den Rachen wirft.
Ich war so froh, als ich nach Feierabend und einem Kaffee die letzte Station des Tages anpeilen konnte. Der Supermarkt! Wenn das überstanden ist, könnte ich ein bisschen meine Gitarre quälen, und dann ist Ruhe.

Am Brotregal stand ein Mann, der nach Verzweiflung, Pipi, Hunger, erbrochenem und Alkohol roch. Er nahm einen Kamm aus seiner Hosentasche und sortierte seine ungewaschenen Haare. Seine Finger waren so voller Dreck, daß ich nicht erkennen konnte wo die Fingernägel anfangen. Ich wartete bis er weiterging und griff dann schnell ein Toastbrot. Sein Geruch war so beißend und schwer, daß er einfach stehenblieb, obwohl der Mann schon weitergegangen war. Ich konnte nicht verhindern, daß ich husten und das Gesicht verziehen musste. Der Mann drehte sich ruckartig um, grinste irgendwie... schelmisch und kam wieder zurück.
Er sagte: "Nimm ein anderes Brot!"
- "Warum?"
- "Guck doch! Aus dem hab ich eben zwei Scheiben rausgenommen."
- "Oh! Danke!"
Wir lächelten uns höflich an, ich versuchte nicht zu atmen. Er schluffte wieder weiter, ich legte die Packung ganz nach hinten und nahm mir eine andere. Gedankenvoll ging ich weiter. Er sah so müde aus. Es war so eine Müdigkeit, bei der einfacher Schlaf nicht ausreichen würde. Eine ausgiebige Dusche, eine Rasur, einen anständigen Kaffee, neue Schuhe, einen gewaschenen Mantel, eine magenfreundliche Mahlzeit mit anständigen Zähnen, eine Umarmung von Herzen und ein sauberes warmes weiches Bett dachte ich, könnten seine Müdigkeit vielleicht für einen kurzen Moment bei Seite legen. Aber das war nur Spekulation. Ich sah an ihm einfach nur Resignation, Müdigkeit und tiefes Unglück.
Ich kam an der Wursttheke an, und er stand wieder vor mir. Er fragte höflich aber eine Antwort aus seinen Vorstellungen fordernd, ob er ein oder zwei Scheiben Mortadella bekommen könnte. Es dürfte auch gerne Verschnitt sein. Er hielt der Dame die beiden Scheiben Toast vors Gesicht, und sie verzog es ebenso unkontrolliert, wie ich es vorher tat. Sie lächelte professionell, sagte "Gerne!" und legte ihm eine frisch geschnitte Scheibe Mortadella aus der Auslage auf jede Toastscheibe. Er bedankte sich und ging weiter.
Ich sah die Frau an und fragte mich, ob sie sich nicht wunderte, wo er die Toastscheiben her hat. Aber sie war schon wieder mit anderen Kunden beschäftigt.
Auf dem Weg zur Kasse ging ich an der Haushaltswarenabteilung vorbei und sah wie der Mann eine Packung Frischhaltefolie öffnete, etwas herausnahm und seine Brote einwickelte. Ich musste grinsen. Er tat alles so, als wäre er in seiner riesigen Küche. Ganz selbstverständlich. Und niemandem schien es aufzufallen.
An der Kasse dann stand er hinter mir, und ich wollte nur noch frische Luft. Ich versuchte alles schnell einzupacken und sah, wie er eine Dose Bier mit einem Leergutbon bezahlte. Er verließ den Laden, und die Frau an der Kasse besprühte mit hysterischem Blick alles mit Desinfektionsspray.

Noch zu Hause musste ich über diesen Mann nachdenken. Undefinierte Gedanken, die ich mehr fühlte als dachte.
Ich spielte meine Gitarre und sang meine Stimme. Der Tag war vorbei.
Am nächsten Tag war mir elend. Mein Rücken tat so weh, es war viel zu früh, der Kaffee schmeckte nicht, ich hatte Husten, und ich hatte nicht das Gefühl wirklich geschlafen zu haben. Zum Jammern war mir.
Dann musste ich wieder an den Mann denken und schämte mich kurz ein bisschen über meine Unzufriedenheit. Ich sollte froh sein.

Später dann konnte ich mir eine Pause von der Arbeit freischaufeln, und ich freute mich auf eine Zigarette auf der Parkbank.
Auf der Nachbarparkbank saß der Mann vom Vortag. Seine Haare waren kürzer, und sein Gesicht war rasiert. Die Finger hatten Hautfarbe, und es stieg kein beißender Geruch auf. Er lächelte zahnlos in einen löchrigen Jutebeutel hinein und machte Geräusche, als würde er gleich "Hehehehe!" sagen. Aus dem Beutel zog er ein Gebiß und setzte es ein. Er stellte die Dose Bier auf die Bank und packte grinsend zwei Scheiben Toast mit Mortadella aus. Eine Scheibe Mortadella legte er auf die Folie, klappte die beiden Brotscheiben zusammen und biß genüßlich rein. Dann öffnete er das Bier, trank einen großen Schluck und machte das typische "Ahhhh!" Geräusch nach dem Trinken. Er wurde abgelenkt, als ich meine Zigarette anzündete. Er kaute hastig auf und fragte, ob er die haben könnte. Da ich nur diese bei mir hatte, machte ich sie vorsichtig wieder aus und legte ein Feuerzeug und die Zigarette neben sein Bier. "Oh! Toll! Dankeschön." Er grinste die ganze Zeit. "Hast Du gut geschlafen?", fragte ich, und er kaute "Ja, sehr gut sogar!" Ich stand auf und ging wieder zurück. Hätte er keine Ohren, hätte er im Kreis grinsen können "Hmhm! Ich wünsch Dir einen schönen Tag!", sagte er. - "Danke. Den wünsche ich Dir auch."

Haushaltstip des Tages

11. Mai 2011

Schräge Fenster sind scheiße zu putzen... 
Bei Regen etwas Spüli von außen auf den obersten Rand des Fensters, und der Regen schäumt und spült den gröbsten Dreck weg. 


... meine Güte bin ich faul... ;)

MOPPEN!

3. Mai 2011

...äh... zu den Moppen komme ich später... (.)(.)

Ich finde, ich sollte jetzt immer montags Urlaub haben...
Es gibt Wochenenden, die ich sehr vermisse sobald sie vorbei sind. Dieses letzte Wochenende gehört absolut dazu. Ich hab Dinge getan, die ich nicht tun sollte, und ich hatte Spaß dabei.

Angefangen hat es am Freitag bei der Arbeit. Großartig! Damit unsere Ferienkinder den letzten Ferientag noch richtig genießen können, sind wir mit ihnen ins Kindertobeland gefahren. Und was soll ich sagen... Ich hatte richtig Spaß! Ich hab die Kinder mit Softbällen beschossen, ich wurde selbst beschossen, und wir haben rumgetobt wie blöd.
Ja und dann: Engelschöre ertönten, der Himmel brach auf. Ein heiliger Lichtschein fiel auf das TRAMPOLIN! In diesem Moment hätte ich jedem Seemann geglaubt, der von den verlockenden Sirenen erzählt, und daß er gar nichts anderes tun konnte als ihnen zu folgen.
Ich zog meine Gehhilfe unter der Hose zurecht und dachte an all die vielen tränenreichen und schmerzhaften Arztbesuche und Knieoperationen und an den Arzt, der mir in einer unschlagbaren Ernsthaftigkeit riet: "Frau Feyan. Es gibt Sportarten, die sie auf gar keinen Fall ausüben sollten. Joggen zum Beispiel. Und um Trampoline sollten Sie einen groooooßen Bogen machen..." In meinem Kopf hallte noch der Rest der Aufzählung der Dinge, die ich nicht tun sollte. Und während ich meinen Erinnerungen noch gequält lauschte, wurde ein anderes Geräusch lauter. Um mich herum quietschten Kinder vor lauter Hüpffreude. Und ich? Ich hüpfte mittendrin...



Meine Güte, tat das gut!
Der Preis dafür war hart, aber bezahlbar. Ich ging Treppen, als wäre ich mindestens 100 Jahre alt, hatte das ganze Wochenende lang fiese Schmerzen, aber ich war glücklich.

Es hat sich gelohnt.

Gleich nach diesem Spaß hab ich mich in den Zug gesetzt und bin die ca. 160Km zu meinem schönen Mann gefahren.
Es folgte Entspannung,


gutes Essen an der (wirklich sehr) frischen Luft


und gute Gespräche.
... dann kann ich ja jetzt auch mal zu den Moppen kommen. 
Der gute Mann erzählte mir, daß er von einer Statistik gelesen hat die beschreibt, wo auf der Welt die Frauen mit den größten Brüsten leben. Auch die BZ berichtete davon. 
Hier ein kurzer Artikel. 
So heißt es in dieser Statistik von targetmap.com zum Beispiel, daß Frauen in Skandinavien durchschnittlich recht große Brüste hätten. Frauen in asiatischen Ländern haben durchschnittlich die kleinsten Brüste.
Über diese Statistik hab ich noch einige Zeit nachgedacht. Ich dachte an Freundinnen und Bekannte, schätzte Körbchengrößen und verglich die Herkunft. Dann befand ich, daß das eine unsinnige Freizeitbeschäftigung sei und dachte nicht mehr daran.
Am Samstag waren wir dann in dieser wirklich tollen Kneipe. Wir saßen, tranken, quatschten, guckten, tranken, lachten... und äh... tranken. Irgendwann suchte ich die Örtlichkeiten auf. Auf dem Hinweg kam ich an einem jungen Mädel vorbei, die zuckersüß "Hi!" sagte. Ich grüßte lieb zurück und wunderte mich ein bisschen. Auf dem Rückweg ging ich wieder an ihr vorbei, und sie zwinkerte mir zu. Ich lächelte verlegen und dachte "Hmmm.... was hab ich denn da gerade wahrgenommen...?" und ignorierte es. Zurück am Tresen stand bereits ein neues Getränk bereit. Ich quatschte, trank, lachte und guckte weiter, bis eine junge Frau sich am anderen Ende des Tresens ein Bier bestellte. Sie lehnte sich so auf die Fläche, und ich sagte halblaut "Hmmm... vielleicht Skandinavierin..." Und da ging es mir auf. Offensichtlich geisterte mir diese Statistik noch immer durch den Kopf, und ich starrte die ganze Zeit wildfremden Damen auf ihre Körbchengrößen...
So fand ich es am Ende nur logisch weit nach Feierabend noch mit meinem Mann und einem anderen Überbleibsel dieser amüsanten Nacht weiterhin zu sitzen, zu lachen, zu trinken und mit dem schwulen Kneipenchef zu David Bowie zu tanzen.
Mein Kopf wiederum fand es am Sonntag nur logisch sich die ganze Zeit in Bodennähe aufzuhalten. Ich tat ihm den Gefallen und fuhr erst am Montag zurück.
Jetzt ist es Dienstagabend, und ich grinse noch immer.
Wochenenden die sich wie ein kleiner Urlaub anfühlen sollte es häufiger geben.


Kleine Dinge

28. April 2011

Es sind kleine Dinge, die mich glücklich machen.
Ich liebe es bei Sonnenschein durch die Gegend zu laufen.
Überall gibt es kleine tolle Dinge zu entdecken. Wenn man zum Beispiel der Ilmenau Richtung Bardowick folgt, kann man das "Garagenmonster" sehen. Ich nenne es so, weil es auf der Rückseite der Discothek "Garage" steht.



Oder diese verrückten Blumen im Kurpark. Manche sehen wie angemalt aus, manche sehen aus, als wären sie aus Plastik.


Dann ist da dieser Kirschbaum, der mitten am Stamm Blüten treibt, und Wasserschildkröten die sich im schützenden Teich sonnen.



Diese hübsche Sonnenuhr mit den Sternzeichen...


... und mein lieber Fauchi der so vollgefressen war, daß er sich nicht wehren konnte, als die Kinder ihn mit Butterblumen geschmückt haben...


Ja...
Und wenn ich dann abends zu Hause sitze, fühle ich mich wohl. Ich freue mich, daß ich all diese schönen Dinge gesehen habe, bin müde und glücklich.

Rudolf Steiner

9. April 2011

Ich weiß gar nicht, wie ich anfangen soll... Ich muß immernoch schmunzeln.
Von vorne am besten.
Also.
Ich kenne eine Mutter, die zwei Kinder hat. Ein siebenjähriges Mädchen und einen neunjährigen Jungen. Beide haben so ihre Schwierigkeiten in der Schule. Es ist nicht so, daß sie blöd wären oder so. Ganz im Gegenteil eigentlich. Aber beide haben immense Konzentrationsschwierigkeiten. Vor allem bei dem Jungen kann man förmlich die "Unstruktur" im Kopf spüren, wenn er nur den Raum betritt. Oft macht er Geräusche. Zum Beispiel schnalzt er mit der Zunge, stöhnt oder summt. Manchmal denke ich, daß nicht er sondern sein Gehirn die Geräusche macht. Es scheint immer als ob sein gesamtes Dasein mit Hilfe einer rostigen alten Dampfmaschine gesteuert würde. Ich kann es nicht gut erklären, aber wenn ich ihn sehe muß ich an Dinge denken, die Douglas Adams geschrieben hat.
Hier ein kleiner Auszug aus "Das Restaurant am Ende des Universums":

"Sein Mund fing an zu sprechen, aber sein Gehirn war der Meinung, der Mund habe noch nichts zu sagen, und schloss ihn wieder. Dann fing das Gehirn an, mit dem Problem zu kämpfen, was die Augen ihm eigentlich erzählten, was sie sähen, aber als es das tat, verlor es die Kontrolle über den Mund, der prompt aufklappte. Als das Gehirn die Kiefer wieder nach oben zog, verlor es die Herrschaft über die linke Hand, die ziellos in der Gegend herum fuchtelte. Eine Sekunde lang versuchte das Gehirn, die linke Hand wieder einzufangen, ohne den Mund los zu lassen, und gleichzeitig versuchte es, darüber nachzudenken, was dort in dem Eis verborgen war, was wahrscheinlich der Grund war, warum die Beine plötzlich los liefen und Arthur hinfiel. ..."

So in etwa stelle ich mir das vor.
Ich könnte jetzt noch viele Dinge über die Kinder schreiben, aber darum geht es gerade gar nicht.
Eins muß ich aber noch dazu sagen. Ich weiß nicht, wie ich mich ausdrücken soll ohne abwertend zu klingen...
Es ist so, daß die Mutter und die Kinder ziemlich... "einfach gestrickt" sind... Ja. So ist es. Ich mag die Mutter sehr gerne. Sie weiß, daß sie nicht sonderlich intelligent ist und den Kindern in diesem Bereich nicht viel bieten kann. Manchmal kommt sie und fragt wie diese und jene Hausaufgaben aus der dritten Klasse funktionieren. Sie selbst "würde das nie checken" und fragt dann lieber, um die Kinder nicht falsch zu unterstützen. Sie liebt ihre Kinder sehr und bringt wirklich so einiges auf um ihnen ein gutes Leben zu ermöglichen.

Die Mutter kam zu mir und guckte besorgt.
Ich: "Naa? Was ist los mit Dir?"
M: "Ach. Weißt Du, ich hab mal was überlegt. Weißt Du? Die beiden kommen bestimmt sowieso auf die Hauptschule... Und dann? Nix! Jetzt hab ich überlegt, ich meld die beiden auf der Rudolf-Steiner-Schule an."
Ich: "Huch? Wie kommst Du denn auf die Idee?"
M: "Jaaa... Ich hab da gehört, daß die dann später bessere Chancen haben einen Job zu kriegen. Weil viele Firmen geben der Schule Geld, und die nehmen dann auch lieber Leute, die von der Schule kommen."
Ich: "Hmm... Hältst Du das wirklich für eine gute Idee? Hast Du Dich gut über die Schule informiert? Ich meine... Dann ist alles anders. Das gesamte Schulkonzept funktioniert völlig anders als das, was Ihr bisher kennt. Und das so mitten im Schuljahr?"
M: "Ja. Ich hab da jetzt von vielen Kindern gehört, daß die auf normalen Schulen immer nur schlecht waren und so. Und dann sind die zur Rudolf-Steiner-Schule gekommen und sind jetzt richtig gute Schüler. Und ich hab auch gehört, daß die da besser lernen sich zu benehmen und so."
Ich: "Hm... Ja, sowas kam bei einigen Kindern vor. Aber das gilt nicht für jedes Kind. Melde Dich doch einfach mal da zu einem Beratungsgespräch an. Ihr könnt Euch da alles ansehen, Probeunterricht machen und das Konzept kennenlernen. Und dann kannst Du entscheiden, ob das für Euch wirklich in Frage kommen würde."
M: "Meinst Du? Ich hab jetzt schon so viel gutes von der Rudolf-Steiner-Schule gehört, das reicht mir eigentlich. Ich melde die beiden da an."
Ich: "Ich würde gut finden, wenn Ihr da vorher lieber gucken geht. Es ist nämlich schon eine große Veränderung dann. Und dann wüsstest Du ganz genau über alles bescheid."
M guckte nur. Und um die Situation ein bisschen auflockern sagte ich in einem Scherzton: "Hey! Und wenn Ihr Euch für die Schule entscheidet, kommen Deine Kinder dann irgendwann nach Hause und tanzen Dir ihre Namen vor!"
M: "HAHAHAHAHA! Quatsch! Erzähl doch keinen Scheiß! Hehehehehe!"
Ich war etwas verwirrt und sagte: "Äh... doch... Eurythmie ist ein reguläres Pflichtfach an Waldorfschulen..."
M boxt meine Schulter, sagt: "WAAS!? Bist Du bescheuert!? Ich schick doch meine Kinder nicht auf eine Waldorfschule!!! Ich bin doch kein Öko!" und tippt mit ihrem Zeigefinger an ihre Stirn.

Ja... Ich war sprachlos. Eine andere Mutter drehte sich weg, weil sie lachen musste. Ich erklärte M. kurz den Sachverhalt, und ihr war es sichtbar peinlich. Bevor sie ging sagte sich aber noch schnell: "Trotzdem melde ich die beiden da an!"

Bisher habe ich keine Updates zu ihren Plänen bekommen.
Ich bin gespannt...

:)

Autorisierter Fachhändler

6. April 2011

Eine Mutter und ein Kind gehen durch die Stadt spazieren. An einer Ladentür klebt ein Schild.
Das Kind liest: "Autorisierter Fachhändler" und überlegt. "Heißt das, daß er ein Auto hat?"
Mutter: "Nein. Dann würde da 'mobilisiert' stehen!"
Kind: "Achso! Ich dachte immer 'mobilisiert' heißt, daß man ein Handy hat!"
...

Undercover

31. März 2011

Wenn man an sonnigen Tagen durch die Gegend geht und aufmerksam genug ist, kann man kleine lustige Dinge entdecken.
Ich zum Beispiel habe einen Undercover-Agenten ausfindig gemacht.



Ok... Ich gebs zu. Das war leicht. Seine Tarnung war nun wirklich nicht die beste...

Mein Rabe und ich

28. März 2011

Am Donnerstag ist meine liebe Tochter 12 Jahre alt geworden.
Und soll man mich ruhig für bekloppt halten, aber... Jedes Jahr spielt sich in mir das gleiche ab. Ich werde sentimental, und ich denke an die Zeit vor ihrer Geburt und daran wie es dann war, als sie nun endlich bei uns war. Es sind tolle Erinnerungen.
Zumindest male ich ich mir alles toll.
Leicht war es nicht, denn ich war gerade 18 als sie zur Welt kam. Ich war noch genauso klein wie meine Freunde die ich damals hatte. Alle befanden sich in irgendwelchen "Findungsphasen" und gingen auf Partys und wechselten Partner, sie fingen an zu studieren oder hatten Krach mit ihren Eltern. Es war halt diese Phase wo die Pubertät sich dem Ende neigt und man sich noch einige Jahre davor drückt tatsächlich erwachsen zu sein. Und genau in dieser Zeit mutierte ich zu einem hormonbeladenen Mutterschiff. Ich zog mit dem Vater meiner Tochter zusammen, faselte von "Verantwortung" und "Bodenständigkeitkeit", war vollends am "Nestfieber" erkrankt und boykottierte auf bissige und ziegenhafte Art die Saufgelage die jetzt in der "coolen neuen Bude" angedacht waren. Ich wurde immer runder und furienhafter und wollte lieber, daß das Kinderbett zusammengebaut wird, als daß man das nächste Metalfestival plant.
Ich stieß auf Unverständnis, und Freunde zogen sich zurück. Ich war zu einem dunklen und unhaltbaren Zustand geworden. Auf einer Party platzte mir in den Morgenstunden die Hutschnur, und ich bewarf meinen Partner und unsere Freunde mit Dosenbier, weil ich schlafen wollte und jemand umgehend die Kotze aus dem Badezimmer entfernen sollte.
Der Höhepunkt war erreicht. Es rief kaum jemand mehr an oder kam uns besuchen. Mein Partner machte mir Vorwürfe, daß man so nicht mit Freunden umgehen kann, und daß er so langsam auch keine Lust mehr auf meine Zickigkeit hat. Und er hatte Recht.
Man sollte seine Freunde nicht mit Dosenbier bewerfen.
Es entstand eine traurig ruhige und nachdenkliche Zeit für mich. Ich machte mir Gedanken über mich und uns, die anderen, den Frühling die Zukunft und alles andere auch.
In dieser Zeit verliebte ich mich in ein Buch. Ich hab es nie gelesen, aber ich bin bis heute unsterblich verliebt. Ich hatte immer das Gefühl, daß man es nicht lesen muß, weil es ein aussagekräftiges Comic ist. Es ist von Pierre Christin und heißt "Die Kreuzfahrt der vergessenen". Enes Bilalović hat die großartigen Bilder gezeichnet. Ein Bild hat es mir besonders angetan. Das mit dem Raben. Ich weiß nicht, wie das Bild heißt.
Immer wieder hab ich mir das Buch aus dem Regal genommen, die Seiten geblättert um die Bilder zu sehen und mich auf die letzten Seiten gefreut, weil da der Rabe war. Das Bild ist düster. Eine mit Tinte angefertigte Strichzeichnung. Der Rabe sitzt auf der Hand eines Mannes, und beide strahlen Stolz und Erhabenheit aus. Sie sind so innig miteinander, daß ich mich immer wohl und zuversichtlich fühle, wenn ich sie ansehe. Ich habe das Bild zum Anlass genommen ruhiger zu werden. Wenn das Leben nichts als ein düsteres Bild bietet, kann man trotzdem da stehen und mit sich und seiner Welt innig sein. Ich könnte es ja einfach mal versuchen.
Und so kam es dann, daß mein Partner mir mit höchster Vorsicht zu erklären versuchte, daß am Folgen Wochenende einige Leute da wären... Und ich sagte nur "Ja, ist ok." und kaufte mir Ohropax. Ich fragte vorsichtahalber eine Freundin, ob ich an diesem Wochenende bei ihr übernachten könnte und machte mir einen Plan, wie ich mich beschäftigen könnte ohne "die Jungs" beim Feiern zu stören. Da hatte ich DIE Idee. Einmal möchte ich wirklich in dieses Bild eintauchen. Ich werde es nachzeichnen! Mit Feder und Scriptol auf einem DinA 3 Blatt. Und das fertige Exemplar werde ich einer Freundin zum Geburtstag schenken. Sie hat Verständnis für solche Tiefsinnigkeiten und würde sich sehr freuen.
Es folgte ein Wochenende voller Ironie. Ich versuchte nicht daran zu denken, daß ich morgen wahrscheinlich die widerlichsten Körperflüssigkeiten aus den ungewöhnlichsten Ecken rauswischen, die kaputtesten Typen vom Boden aufräumen müsste und es Jahre bräuchte, bis die Wohnung nicht mehr wie eine Lederjackenräucherei riecht. Bewaffnet mit dem guten Hörschutz aus Wachs fing ich an Strich für Strich in das Bild zu tauchen. Ich pinselte, trank Tee, rückte ab und an den zappelnden Bauch zurecht und tauchte und fühlte mich wohl. Irgendwann fiel mir auf, daß ich gar keinen Lärm wahrnehme. Also gar keinen. Der einzige Krach war die Stille. Ich konnte quasi das Nichtvorhandensein von Geräuschen hören. Als ich die Ohrstöpsel rausnahm konnte ich kleine klackernde und blätternde Geräusche hören. Ich ging ins Wohnzimmer und traute meinen Augen nicht. Da sitzen die langhaarigen da ganz brav und spielen CLUEDO! Sie wollten mich mit einem stressfreien Abend überraschen. Aber da ich offensichtlich beschäftigt war, wollten sie mich nicht stören und haben schonmal ohne mich angefangen... Ja... Und da ich wirklich beschäftigt war bedankte und entschuldigte ich mich und ging weiterpinseln.
Als ich mitten in der Nacht fertig und stolz und erschöpft war, schliefen schon alle wohlsortiert mit Decken auf Sofas und in Betten. Die Aschenbecher wurden geleert, und auch das Badezimmer sah ganz anständig aus.
So entstand mein erstes Bild mit dem Raben, und wie gedacht verschenkte ich es. Aber ich hab es immer vermisst.
Etwa fünf Jahre später zog ich mit dem Kind aus diesem Haus aus und nahm mir mit der Freundin die damals dieses Bild bekam eine große Wohnung.
Und da war er wieder. Mein Rabe. Der Mann. Die Ruhe. Mein Zuhause. Ich tat wohl das verrückteste, was ich je tat. Ich lieh mir das Bild aus und zeichnete es nochmal. Einen Abend und eine Nacht saß ich da, trank Wein, dachte an damals und tauchte Strich für Strich wieder in mein Heim ein, und diesesmal würde ich es nicht gehen lassen. Es soll bei mir bleiben und immer dort hängen, wo ich es sehen kann.
Mittlerweile wohnen mein Mädchen und ich allein.
Am letzten Donnerstag dann war einer "der Jungs" hier. Wir feierten den Geburtstag meiner Tochter, und als sie schon im Bett war feierten wir weiter. Und wir redeten von damals und erinnerten uns, und wir freuten uns darüber was bisher aus uns geworden ist. Selten habe ich so oft auf dieses Bild geguckt wie an diesem Abend.



Ich bin froh, daß ich zu Hause bin.

Zug fahren

21. März 2011

In regelmäßig unregelmäßigen Abständen fahre ich mit dem Zug von Lüneburg nach Kiel und ein paar Tage später wieder zurück.
Meistens läuft das so:
Ich kaufe mir in Lüneburg eine Fahrkarte nach Hamburg für siebeneurosoundsovielsechzig. Dann steige ich in Hamburg aus, stelle mich an einen bestimmten Fahrkartenautomaten und werde nach ungefähr zwei Sekunden von jemandem etwa so angesprochen: "Fährssu Kiel!? Ischab Blatz frei." Dann sag ich "Oh ja, gerne." Der meist männliche Akteur in dieser Geschichte spricht noch drei weitere reisende an, und man geht dann zu fünft zum Zug. Man sitzt dann da und hofft, daß man sich nicht mit kuriosen Leuten unterhalten muß und tut unbeteiligt. Irgendwann während der Fahrt sammelt der Mann dann von jedem Mitfahrer acht Euro ein und freut sich. Er hat am Morgen ein "Schleswig-Holstein-Ticket" für 38 Euro gekauft und fährt nun den ganzen Tag lang so wie eben beschrieben von Hamburg nach Kiel und zurück. Eine Rechenaufgabe. Wenn er nun vier mal nach Kiel fährt hat er am Ende 256 Euro. Abzüglich der Karte hat er einen Gewinn von 218 Euro.
Auch so kann man sich seine Brötchen verdienen.
In Kiel fahre ich dann noch mit dem Bus weiter und habe für etwa 17 Euro mein Ziel erreicht. Ich weiß gar nicht mehr wie teuer so eine Einzelkarte von Lüneburg nach Kiel eigentlich ist. Es müssten so um die 28 Euro sein. Also freue ich mich auch, denn ich habe 11 Euro gespart.

An diesem Wochenende war allerdings alles anders.
Der Zug kam in Hamburg etwas verspätet an, und niemand sprach mich an. Ich fürchtete schon, daß ich den vollen Preis zahlen müsste. Gerade wollte ich die Karte kaufen, als ein grimmig guckender "Nico" daherkam und sagte "Ich hab einen Schwerbehindertenausweis B, und Du kannst als Begleitperson mitfahren!"
Und ich dachte "HUAH! ACHDUMEINEGÜTE!", sagte aber "Hm... Zeigst Du mir den Ausweis? ... Ok, gerne. Wieviel willst Du haben?"
Nico: "10!"
Ich: "10? Nö! Mit einem Schleswig-Holstein-Ticket würde ich höchstens 8 zahlen."
Nico: "Das ist kein Schleswig-Holstein-Ticket. 10!"
Ich: "Ich weiß. Aber... Nein danke. Ich such mir hier dann lieber noch Leute zusammen."
Nico: "Nagut. 8 und ne Zigarette."
Tja. So gab ich eine Zigarette her und trottete dem noch grimmiger guckenden Nico hinterher. Er wollte unbedingt ganz hinten im Fahrradabteil sitzen. Mir war das egal. Ich wollte jetzt nur schnell in Kiel ankommen.
In diesem Fahrradabteil saß ein Mädchen mit einer Gitarre. Ok. Sie ist kein Mädchen. Eher eine junge Frau. Aber wie sie da saß... Ein dick gepackter Rucksack aus dem ein Apfel guckte, eine Flasche Weißwein zu ihren Füßen, die feinen frisch gewaschenen Haare zu einem Knoten gebunden, ein reines ungeschminktes Gesicht dessen Augen wahrscheinlich schon viel gesehen haben. Da saß sie mit ihrer Gitarre auf dem Schoß und spielte und sang. Sie sang davon, daß das Leben manchmal komische Wege geht, und daß auch sie weiterziehen muß. Ihre Stimme klang, als ob sie noch viel lauter und gefühlvoller klingen könnte. Es klang in meinen Ohren großartig. Aber sie wurde unsicherer, je mehr Leute ins Abteil kamen. Sie hörte auf zu spielen und sagte, daß sie dachte hier hinten fast allein zu sein. Sie wüsste jetzt nicht, was sie spielen sollte.
Tja. ... Ich holte aus meinem Rucksack mein "Blackbook". Mein Blackbook ist eine unordentliche Sammlung von Texten und Akkorden von Liedern verschiedenster Art. Es stehen in hübschester Kalligrapierter Schrift Texte drin, es gibt gezeichnete Bilder, und überall stecken handgekritzelte Zettel und ausgedruckte Blätter drin. Man muß es vorsichtig halten, weil sonst alles der Schwerkraft zum Opfer fällt und sich auf dem Fußboden verteilt. Ich reichte es ihr feierlich und sagte, daß sie mal gucken soll, ob ihr davon was gefällt. Sie war überrascht und blätterte alles durch. Schnell stellte sie fest, daß sie kaum etwas davon kennt. Also vielleicht, aber sie wüsste jetzt nicht... So gab sie Gitarre und Buch an mich und wünschte sich Lieder. Wir unterhielten uns, sie spielte mir was vor, ich zeigte ihr ein anderes Lied, sie sang, ich hörte, Nico lächelte. Die vielen Leute die entweder verzückt stehen blieben oder genervt das Abteil verließen störten überhaupt gar nicht. Nach gefühlten fünf Minuten waren wir dann in Kiel.
Was für eine tolle Fahrt.

♥ Und was für ein tolles Wochenende.
Es gab Entspannung, einen schönen Mann, drei wunderschöne Katzen, viel Schlaf, eine Badewanne, vorzügliches Essen, einen Fernseher, einen Gamecube, hab ich den schönen Mann erwähnt? ♥
Und leider gab es auch die Zeit, denn ich musste zurück nach Hause.

So eine Rückfahrt läuft im Normalfall ebenso, wie es oben geschrieben steht. Und so kam es auch.
Fast.
... zu sechst (?) stiegen wir in den Zug, und ich bemerkte jetzt erst, daß wir eine Person zuviel dabei haben. Der Mann mit der Fahrkarte verkündete, daß er diese Fahrt nicht mehr mitmacht, er würde uns das Ticket geben. Falls noch jemand weiterfahren wollte, es ist ein "Schönes Wochenend Ticket". Mit diesem Ticket kann man für 39 Euro mit fünf Personen an Samstagen oder Sonntagen durch ganz Deutschland fahren.
Eine junge Frau sagte, sie müsse nach Hannover. Dafür muß sie durch Lüneburg fahren. Was für ein Glück! Der Mann sammelte von jedem acht Euro ein, freute sich, wünschte eine gute Reise und ging.
Die Frau und ich saßen zusammen und quatschten. Ja, wir haben wirklich gequatscht. Die ganze Fahrt über! Eine sehr angenehme Person und eine sehr angenehme Rückfahrt.

Zug fahren kann so schön sein.

In schönem GeWand

6. März 2011

Tolle Kunst, die man bei einem Spaziergang findet...

gefunden in der Glockenstraße in Lüneburg


gefunden in der Zollstraße in Lüneburg


gefunden in der Plankenstraße in Winsen/Luhe


gefunden in der Salzstraße in Lüneburg

Spiralgalaxie

2. März 2011

Wikipedia sagt:
"Eine Spirale oder Schneckenlinie ist eine Kurve, die um einen Punkt oder eine Achse verläuft und sich je nach Laufrichtung von diesem/r entfernt oder annähert."
Ich mag Spiralen. Sie können sich endlos fortsetzen, wenn sie wollen ... oder gelassen werden. Man denke nur wie groß Schneckenhäuser werden könnten! Oder Farn! Er könnte sich endlos durch den Wald schlängeln.
Wenn ich eine Spirale sehe muß ich an melancholische Dinge wie "Vergänglichkeit" denken, denn welche Spirale hätte es je geschafft endlos zu sein. Und dennoch freue ich mich, weil ich das Gefühl habe, daß es die theoretische Möglichkeit gäbe.
Außerdem hat die Natur Dinge wie "Romanesco" erfunden. So viel Vitamin C weckt Endorphine in mir.


 
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