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Machen Sie's gut (Teil 2/2)

20. Juni 2012

...

So saßen wir dann diesmal zu dritt im Zug und ließen die Vorkommnisse der letzten Stunden sacken.
Neulich hatte ich mal wieder Geburtstag, und ich versuchte mich daran zu erinnern, wie meine Wahrnung das Alter anderer Leute betreffend war als ich noch 16 war. Es fiel mir nicht mehr ein. Aber ich dachte an die schönen Dinge, die mir Leute an meinem letzten Geburtstag brachten. 

Es gab wunderschöne Blumen

 und einen bronzenen Engel, der sich auf einem Altar ablegt.

Ich fühlte mich plötzlich erschöpft und hätte mich auch gern irgendwo so abgelegt. Aber wir waren schon wieder zu Hause angekommen und beschlossen noch eine Bar aufzusuchen. Wir gingen zu meiner Lieblingskneipe. Das Programm des Abends war so konträr zu dem eben erlebten, daß meine beiden Begleiter sich bereits nach einem Bier von mir verabschiedeten. Mir gefiel die Abwechslung, und ich blieb noch lange. Ich traf eine liebe Freundin, und obwohl ich kickern musste hatte ich eine Menge Spaß. Ich blieb und blieb und ging irgendwann.
Es dämmerte schon längst, es war fast fünf Uhr, und die Luft war wunderschön. Ich fühlte mich gut und freute mich auf mein geliebtes Bett, die nächsten Tage und vor allem auf Sonntag.
Ich bog in die letzte Straße ein und war fast da. Aber schon von weitem hörte ich einen Mann brüllen. Er saß auf seinem Fahhrad und beschimpfte einen Taxifahrer, der gerade drei junge Gäste absetzte. Er brüllte in einer rauhen lauten Stimme: "Du hast mir die Vorfahrt genommen! Ich zeig Dich an!" Der Taxifahrer blieb ruhig, rief "Mach doch!" aus dem Fenster und fuhr lächelnd los. Der Mann hatte jetzt richtigen Zorn in seiner Stimme: "Du feige Sau! Ich töte Dich!" Die Leute die aus dem Taxi ausstiegen wollten zu ihrem dort parkenden Auto gehen, aber der Mann stellte sich ihnen in den Weg und lehnte sein Fahrrad an das Auto. Er ging in die Einfahrt die zu meiner Wohnung führt, brüllte da lauthals weiter und trat gegen ein großen Holztor. Ich wollte lieber nicht an ihm vorbei gehen, machte einen großen Bogen und stellte mich zu den Leuten die nun abwechselnd ihn, sein Fahrrad am Auto, mich und sich ratlos ansahen. Mir fiel auf, daß ich den Mann schon öfter sah und hörte. Später erfuhr ich, daß er Mitte 50 ist. Er sieht gepflegt aus, hat eine sportliche Statur und fällt sonst nicht weiter auf. Nur manchmal sitzt er spät abends oder nachts in der Nähe meiner Wohnung auf einer Mauer und beschimpft sich biertrinkend mit anderen Mauerhockern. 
Ich erzählte dem Trio davon, und sie wollten gemeinsam mit mir warten bis er sich verzieht. Wir beachteten ihn gar nicht weiter und unterhielten uns einfach leise. 
Und da war es wieder. 
Einer sagte: "Ach, und Sie wohnen hier? Ist eine nette Ecke." 
Ich sagte: "Hast Du mich etwa gerade gesiezt!?" 
Er sagte: "... ich wollte nur höflich sein..."  
Ich sagte: "Achso. Naja... Danke...", und fühlte mich plötzlich bleiernd müde.
Einer der drei nahm in der Zwischenzeit das Fahrrad und stellte es sorgsam auf dem Bürgersteig ab. Daraufhin zog der randalierende Mann sich den Gürtel aus der Hose, wickelte sich jedes Ende links und rechts um die Hände und lief so mit ausgestreckten Armen auf den jungen Mann zu. Die junge Frau die dabei war sagte: "Ääähh... Ich glaube jetzt sollten wir die Polizei rufen bevor schlimmeres passiert...?" Der Mann blieb plötzlich stehen und brüllte: "Polizei!? Jaaa, die Polizei ruf ICH jetzt an! Und dann zeig ich euch wegen Sachbeschädigung und Körperverletzung an!" Er lief auf die andere Straßenseite, zog ein Handy aus der Hosentasche und rief: "Kommt doch her!" Traut euch nicht, wa? Kommt doch!" Ich sah die drei an und fragte: "Körperverletzung?" Sein logisches Denkvermögen tat er dann folgendermaßen kund: "Da guckt ihr jetzt blöd, nä? ICH ruf nämlich zuerst an, dann kommt IHR alle in die Ausnüchterungszelle!" Ich drehte mich kurz um, weil ich darüber lachen musste. 
Zu diesem Zeitpunkt hätten wir alle gehen können. Unsere Wege waren wieder frei, und es machten auch alle Anstalten aufzubrechen. 
Dann aber hörten wir den Mann mit herzzerreißender Furcht ins Telefon jammern: "Bitte! Kommen Sie schnell! Ich hab solche Angst! Das sind ... eins, zwei, drei, vier Jugendliche, die mich angegriffen haben! Die haben mich vom Fahrrad geschmissen und wollen mich ausrauben! Bitte helfen sie mir! Die greifen gleich wieder an! Kommen Sie schnell!" Er grinste kurz zu uns rüber, nahm seinen Gürtel und schlug damit kräftig gegen ein Kioskschild. Es gab einen lauten Knall, der von den Hauswänden abprallte und durch die ganze Straße hallte. Er schrie auf als wäre furchtbares passiert, legte auf und steckte Das Telefon wieder zurück. Seine Stimme wechselte wieder zu zornigem Gebrüll: "Jaha! Da guckt ihr jetzt blöd aus der Wäsche! Lauft schnell weg, gleich seid ihr dran!" 
Und dann guckten wir wirklich blöd aus der Wäsche, denn der Mann schlug sich selbst mit seinen Fäusten ins Gesicht... 
Ich brachte nur noch ein verdutztes "Äääähhh..." hervor, als wir dann innerhalb kürzester Zeit von fünf Streifenwagen umringt waren. Aus einem Wagen vor und einem Wagen hinter uns sprangen je ein Polizist mit den Händen an den Waffen. Wir standen da wie versteinert und festgewurzelt und starrten den Mann an, der sich mittlerweile liegend gekrümmt auf dem Boden platziert hatte. Es kam ein Krankenwagen hinzu. So wie eben noch der Gürtelschlag durch die Straße hallte, war nun die ganze Luft in blaues Licht getaucht. 
Mir fiel die Tasche aus der Hand, und ich fühlte mich absolut überfordert.
Andere Polizisten liefen zu dem Mann, bildeten eine menschliche Mauer um ihn und überprüften seinen Zustand. Wir wurden auseinander gezogen, und einer des Trios wurde schon abgetastet. Die junge Frau fand als erste die Sprache wieder und erklärte kurz was passierte, als ein Polizist von der anderen Straßenseite rief: "Entwarnung, den kennen wir schon! Guckt mal, er schlägt sich selbst!" Wir wurden losgelassen, und drei Streifenwagen fuhren wieder weg. Der Mann drehte jetzt richtig auf und versuchte die Polizisten mit Lautstärke davon zu überzeugen, daß wir ihm die Verletzungen zugefügt hätten. Er wurde von uns ferngehalten, während wir nochmal genau schildern sollten was passiert ist und unsere Personalien aufgeschrieben wurden. Wir sollten aus seinem Sichtfeld treten solange seine Sicht der Dinge dokumentiert wurde.
Wir stellten uns in die Einfahrt zu meiner Wohnung, rauchten schweigend und beobachteten, wie der Mann mittlerweile um sich tretend in einen Streifenwagen gesetzt und weggefahren wurde.
Die drei verabschiedeten sich nun, und ich sagte: "Ja... Danke, daß Ihr gewartet habt." Dem einen jungen Mann gab ich extra noch die Hand und sagte: "Machen Sie's gut!"
Die guckten mich an, als wäre ich nicht ganz dicht.
Ich lächelte, ging und fotografierte noch eine Rose vor dem Haus.


Hätten die drei das noch gesehen, hätten sie bestimmt den Krankenwagen wieder zurückgerufen...

Machen Sie's gut! (Teil 1/2)

19. Juni 2012

Es passieren wieder Dinge von denen man sich nie hätte vorstellen können, daß sie mal geschehen würden...
Vielleicht liegt es daran, daß ich alt werde. Oder zu jung bin? Ich bin verwirrt.
Aber wie immer sollte ich von vorne anfangen. Es wird bilderreich.

Vergangener Freitag. Der Plan war mit meinem Lieblingszwerg per Zug in eine nicht weit entfernte Stadt zu fahren.
(Mein Lieblingszwerg ist eigentlich viel größer als ein Zwerg. Aber er hat lange Haare, bewegt sich oft wie ein Zwerg, und einige Charakterzüge sind auch wirklich eindeutig. Ich muß oft an Karotte Eisengießersohn denken...)
Dort wollten wir einen weiteren langhaarigen Freund treffen, um dann gemeinsam an einem Event teilzunehmen, bei dem diverse Metal- und Rockbands der Region die Erde beben lassen sollten. Das LineUp sah wirklich gut aus, wir freuten uns. So gingen wir also dahin, und ich muß sagen, daß ich da noch zuversichtlich war. Die Lokalität fand ich gelungen, es gab ein großes Zelt mit einer großen Bühne. Es gab viel gute Technik, einen Wurststand, eine Bierbude, und das Wetter war einigermaßen gnädig. Früher am Tag hatte dort ein Kinderfest stattgefunden. Hüpfburg und Karussells wurden gerade noch abgebaut als wir ankamen.


Aber wir wunderten uns schon, daß kaum jemand zu sehen waren. Wir trafen weitere Zwerge, Trolle, Oger und gefallene Hobbits, saßen beisammen, aßen Bratwurst und tranken Bier.


Aber die Menge die in das Zelt gepasst hätte blieb aus. Es waren so viele Bands da, dachte ich. Warum hat nicht jede von ihnen eine Fanhorde mitgebracht?
Es blieb die gähnende Leere.


Tja.
Die meisten Bands waren wirklich gut. Sie haben sich richtig ins Zeug gelegt, und einige hatten wirklich junge Musiker dabei. 
Hut ab, Jungs! Ihr hättet besseres verdient.
Was die Veranstalter sich gedacht haben ist mir allerdings ein Rätsel. Jeder Band wurden 30 starr einzuhaltende Minuten Spielzeit zugesprochen. Keine Zugaben, keine Möglichkeit auf sympathisches Band-Publikum-Geplänkel... Kurz warmgespielt, Zack! Schon von der Bühne geschubst. In der Planung war wohl auch offensichtlich nicht vorgesehen, daß zwischen zwei Bands teilweise umgebaut werden muß. Schlagzeugteile werden gerollt, Technik wird umgestellt, und einige Kapellen konnten aus Zeitmangel gar keinen Soundcheck machen. Das alles führte auch zu dementsprechender Laune bei den Gästen. Bis auf die Handvoll "Extremtänzer" und einer lustigen Kinderhorde gab es sonst nur lange Gesichter. 
Die letzte Band wurde sprichwörtlich vom Hund gebissen. Ich glaube es waren nur drei Lieder die sie noch spielen konnten, dann gab es ein barsches Ende. Die Security-Schränke machten ihre "Geh nach Hause!" Gesichter, und die Technik war in kürzester Zeit eingepackt und verstaut. Einige ungläubige Gäste zündeten noch die Wunderkerzen an, die sie eigentlich für die letzte Zugabe mitbrachten. Aber kaum wunderten die Kerzen, stand auch schon einer der Schränke mit einem "Mach das sofort aus!" Gesicht da.
Wir entschlossen uns diesen spaßlosen Ort zu verlassen.
Ich musste vorher noch einen anderen Ort aufsuchen und sah dort erschreckendes.
Ein etwa 14 - 15jähriges Mädchen lag schwallartig brechend vor den Sanitäranlagen. Neben ihr stand eine große fast leere Flasche Eistee, dessen Inhalt nicht wie Eistee aussah. In angewidertem Abstand stand eine Truppe gleichalter und älterer angeblicher Freunde. Ich fragte ob Hilfe gebraucht würde, und eine Stimme aus der Gruppe lallte kaum verständlich, daß gleich jemand käme der alle abholt. Das Mädchen lag mittlerweile sehr entkräftet mit dem Gesicht in ihrem eigenen Erbrochenen. In dem Toilettenhäuschen fand ich eine Packung Einweg-Handschuhe, zog ein Paar an und nahm Papier mit. Ich zog das arme Ding aus der Lache der Erkenntnis, die sie hoffentlich spätestens am nächsten Tag erlangen würde, und der Wurstbudenmann kam mir zu Hilfe. Ich fragte mich, wo hier die Gesichtsschränke sind, wenn man einen braucht.
Etwa zwei Minuten später wusste ich es. Sie waren bei meinen wartenden langhaarigen Begleitern, um sie mit unhöflichen Gesichtern vom Gelände zu bitten.
Wie enttäuschend. Jetzt wollte ich auch nur noch weg.

Wir standen wieder am Bahnhof und wollten den Heimweg antreten, als ich von einem jungen Mädchen angesprochen wurde.
Sie saß dort mit ihrer Freundin. Beide waren schätzungsweise 15 oder 16 Jahre alt. Die Freundin hatte Piercings im Gesicht, rot gefärbte Haare und alte und neue teilweise wulstige Narben von Schnitten und kleinen kreisrunden Verbrennungen auf den Unterarmen. Das andere Mädchen hatte ebenfalls Piercings im Gesicht, und sie trug einen enorm hohen und sehr gepflegten blond gefärbten Iro auf dem Kopf.
Sie stand auf, stellte sich in respektvollem Abstand vor mich, räusperte sich leise und fragte dann: "Entschuldigen Sie bitte, können Sie uns helfen? Wissen Sie zufällig, ob von diesem Gleis noch ein Zug in Richtung Hamburg fährt?"
Ich war ein bisschen fassungslos: "Warte kurz... Hast Du mich gerade gesiezt!?"
Zur Erinnerung: Ich habe mittlerweile blaue Haare, und wenn ich mit meiner Tochter unterwegs bin, werden wir für Schwestern gehalten.


Beim Elternabend in der Schule wurde ich vom Lehrer darauf hingewiesen, daß nicht ich sondern nur Sorgeberechtigte bestimmte Dokumente unterzeichnen dürfen...
Und auf einmal werde ich gesiezt!?
Da sagt die rothaarige Freundin: "Naja... Ab einem bestimmten Alter kann man ja ein bisschen Höflichkeit rüberbringen..."

!!!

Da fehlten mir die Worte.
Die aber hatte einer meiner Begleiter. Er nahm sofort das Gespräch an und half den beiden. Wobei er die Mädchen in trockenster Ernsthaftigkeit siezte. Ich musste lachen.
Als alles erledigt war gingen wir zu unserem Gleis, und er rief den beiden noch "Machen Sie's gut!" hinterher und winkte überschwänglich.
Ich muß jetzt noch grinsen, wenn ich daran denke.

Aber das sollten nicht die einzigen denkwürdigen Ereignisse an diesem Tag bleiben.

Fortsetzung folgt...

Sie brauchen einen Arzt!

30. Mai 2012

Huch?
Hab ich was verpasst?
Vier Monate können lang sein... Aber da bin ich wieder.
Erstmal.

In der Zwischenzeit ist eigentlich nichts wichtiges passiert...

Es regnete...

Die Sonne schien...

Meine liebe neue Gitarre ist endlich da...

Ich hab wunderschöne Motive gefunden...
 
Und dann hab ich meine Haare kurz und teilweise blau gemacht...

Ansonsten ist wirklich nicht viel passiert.

Aber eine Sache die sich gestern in der Apotheke zugetragen hat muß ich noch erzählen. Es war recht wirr, und die Apothekenfrau hat mich sogar fast wütend gemacht, aber ich versuche den Dialog trotzdem mal wiederzugeben:

Ich: "Guten Tag. Ich bräuchte eine Empfehlung. Seit einem Jahr leide ich an einer Lichtdermatose. Vorhin musste ich durch die Sonne gehen und hab mich vorher mit Sonnencreme eingerieben. Ich hatte vergessen, daß fetthaltige Cremes alles nur noch verschlimmern... *juckende bläschenwerfende Arme zeig
Ich hab noch Medikamente dagegen, aber ich bräuchte eine Sonnencreme die nicht fetthaltig ist. Können Sie mir was empfehlen?"

Sie: "Also Sonnencreme wird dagegen wohl kaum helfen! Das sieht ja schlimm aus!"

Ich: "Ja... Äh... Es fühlt sich auch schlimm an... Die Creme soll auch nicht dagegen helfen. Ich hab andere Medikamente. Trotzdem möchte ich mich vor der Sonne schützen. Meine Ärztin sagte mir, daß es Sonnengels gibt, die nicht fetthaltig sind. Die würden die Symptome nicht so sehr verschlimmern."

Sie: "Ja, aber sie können jetzt nicht einfach umherlaufen und irgendwelche Cremes ausprobieren. Das sieht mir sehr nach PLD aus. Das muß professionell behandelt werden. Da braucht man kortisonhaltige Mittel. Eine Sonnencreme wird ihnen da nicht helfen. Sie brauchen einen Arzt!"

Hinter mir bildet sich bereits eine Schlange ungeduldig hüstelnder Leute...

Ich: "Ich glaube Sie verstehen mich nicht... Es IST PLD! Das sagte ich bereits. Ich BIN in ärztlicher Behandlung, und ich nehme vom Arzt verschriebene Medikamente dagegen. Ich möchte ein Sonnengel kaufen, das nicht fetthaltig ist."

Sie: "Also wenn sie PLD haben, sollten sie sich nicht in der Sonne aufhalten."

Ich: "Ich weiß..."

Sie: "Und wenn es sich nicht vermeiden lässt, brauchen sie etwas mit einem hohen Lichtschutzfaktor."

Ich: "Ja, das weiß ich..."

Sie: "Dann werden sie aber nicht braun..."

Ein Mann hinter mir hüstelt nicht einfach, er sagt "AHEM!"

Ich: "Also...! Moah! Ich gehe nicht in die Sonne um braun zu werden! Es ist mir egal! Ich will nur auch bei Sommerwetter von A nach B gehen können ohne dabei Monsterblasen zu werfen! Ich glaub, ich geh lieber wieder!"

Sie: "Bei so einer Krankheit sollten sie ein Gel benutzen. Das verschlimmert die Bläschenbildung nicht so sehr. Wir haben hier Sonnengels mit Schutzfaktor 25, 30 und 50, damit können sie..."

Ich: "30 bitte."

Eine wartende Kundin lacht kurz auf...

Sie: "25 ist ein bisschen günstiger, es wäre nur wichtig, daß..."

Ich: "30 bitte!"

Sie: "Ja... das würde dann 14 Euro 95 kosten..."

Ich: lege 15 Euro hin "Stimmt so." und bin schon fast an der Tür...

Sie: "Hallo? Ihr Wechselgeld! Wir dürfen kein ... Hallo...?"

Ich: "Guten Tag!"

Ich stehe außer Sichtweite vor der Tür und höre sie zu jemandem sagen "Tz, sowas unhöfliches!" Die Tür geht auf, und die Frau die vorher kurz auflachte trat heraus, sagte "Da hab ich keinen Bock drauf...", fasste mir kurz an die Schulter und wünschte mir "Trotzdem einen schönen Tag noch.", lächelte und ging.

Tja...
... und heute ist es unglaublich viel kälter als gestern, und die Wolken werfen sich dicht gedrängt vor die Sonne. 
*schulterzuck*

Am Ende noch was für fagga: Ü

Guten Tag

4. Juni 2011

Grundgütiger, was für eine Nacht!
Gestern hat mein großes Kind ihren Geburtstag nachgefeiert. Sie hat ihre zwei liebsten Mädels eingeladen, um sich einen schönen Tag und eine schöne Nacht zu machen.
Erst haben sie die Küche in ein Schlachtfeld verwandelt. Sie haben sich Wraps gemacht und wussten hinterher selber nicht, warum Mais und Champignons auf dem Fußboden rumliegen. Später hat sich alles festgetreten...
Naja. Dann sind sie in die 19 Uhr Vorstellung von Fluch der Karibik 4 gegangen. Ich holte sie vom Kino ab. Bis wir wieder zurück waren, war es 22 Uhr, und wir haben uns nochmal Wraps gemacht. Bis Mitternacht haben wir in der Küche gesessen, und ich war richtig k.o. hinterher.
Die Mädchen sind echt lieb. Laute pubertierende Gackerhühner sind es, aber trotzdem angenehme Gesellen. Und auch wenn sie die meiste Zeit gar nicht da waren, war ich am Ende geschafft. Sie schliefen gleich ein.
Ich war so übermüdet, daß an Schlaf nicht zu denken war. Erst gegen 2 Uhr bin ich ins Bett gegangen und habe einen Steinschlaf vollzogen, wie er bim Buche steht... Bis...
Gegen 4 Uhr klingelt es hier an der Tür. Es klingelte Sturm. Erst dachte ich, ich würde träumen, aber es klingelte wirklich. Um so eine Uhrzeit mache ich die Tür aber nicht einfach so auf. Ich hab mein Erkerfenster aufgemacht, das zwei Stockwerke direkt über der Eingangstür unten ist. Ich sehe einen offensichtlich betrunkenen Mann der versucht gegen die Tür zu pinkeln und dabei immer zur Seite kippt. An die Wand wo die Türklingeln sind...
Ich: "Hey! Pack ein und geh nach Hause!"
Er: guckt sich erschrocken um "Gmblwerissndahäh?"
Ich: "Hör auf gegen die Tür zu pinkeln! Zieh Dich wieder an und verschwinde!"
Er: wankt und kann nicht herausfinden wer und von wo da gesprochen wird "Hallts... Maul!"
Ich: "Wenn Du nicht sofort verschwindest, bewerfe ich Dich mit harten Gegenständen!"
Er: lacht
Ich werfe zwei Wäscheklammern, eine Stricknadel, einen Kugelschreiber und eine Packung Taschentücher. Ich gebe zu, das waren nicht wirklich harte Gegenstände, aber die lagen hier gerade so rum. Und ich wollte nicht den schönen Aschenbecher werfen. Das war ein Geschenk, und er sieht wirklich gut aus.
Er ist verwirrt, versucht nach oben zu gucken, fällt dabei aber fast um. Seine Hose hing ihm schon in den Kniekehlen. Die Taschentücher hat er versehentlich gefangen. Er hält die Packung hoch und dicht an sein Gesicht und braucht eine Weile um herauszufinden was er da wohl plötzlich in der Hand hält. "Es reeegnet Taschentücher!", und er lacht wieder.
Ich: "Ja, ein Wunder! Behalt sie und geh endlich!"
Er zieht seine Hose hoch, hält sie mit den Taschentüchern an der Hüfte fest und geht dementsprechend die Auffahrt hoch zurück zur Straße. Dabei lacht er die ganze Zeit und schüttelt den Kopf. Immer wenn er den Kopf geschüttelt hat, dachte ich, daß er gleich umkippt.
Er schaffte es unfallfrei zur Straße und rief von da "EINN SCHÖNN ABMD NOCH!"
Jetzt musste ich mit dem Kopf schütteln. Sowas!
Ich fiel wieder ins Bett und hab sofort wieder fest geschlafen.
Um genau 5 Uhr 55 klingelte dann das Telefon. Ich ignorierte es. Leider war der Anrufbeantworter auf voller Lautstärke. Ich hörte mich durch den Raum rufen, daß gerade keiner da ist, und daß man eine Nachricht hinterlassen oder auf dem Handy anrufen soll. Der Piepton piepte, und der Anrufer sagte nichts und legte auf. Mein Anrufbeantworter brüllte: "TUT TUT TUT TUT TUT!!!"... 
Ich war wie vom Zug überrollt, stand auf, holte mir ein Glas Wasser und rief den Anrufer zurück.
Er: offensichtlich angetrunken "Ja?"
Ich: "Na? Was gibts denn, alles gut?"
Er: "Ach Du bists."
Ich: seufz
Er: "Ich wollte Dich nicht wecken. Schlaf weiter."
Ich: "Mmmh! Bist Du gerade nach Hause gekommen?"
Er: "Ja, ist aber nicht so wichtig. Wichtig ist, daß Du jetzt mal schläfst. Hier ist alles gut. Schlaf Du jetzt mal Deinen Schlaf in Freiheit!"
Ich: "Häh? Wie meinst Du das denn? Das verstehe ich nicht."
Er: "Moooah! Nein! Natürlich verstehst Du das nicht!" Es folgte ein angenervtes Geräusch, das ich mit Buchstaben nicht wiedergeben kann. "Und ich hab auch keine Lust mich immer wieder erklären zu müssen!" Wieder dieses Geräusch. "Ich werde mich auch nicht wiederholen! Und immer muß ich Dir das sagen, weil Du das nicht kapierst!"
Ich: "..."
Er: "Ja!... Toll! Und jetzt ist alles doof oder was!" Er machte wieder dieses Geräusch, nur klang es zudem so, als ob gleich ein Universum implodieren würde.
Ich überlegte aufzulegen, tat es aber nicht. Ich sagte weiterhin nichts während ich überlegte was ich überhaupt sagen könnte. Ich wollte von dem Türpinkler von vor zwei Stunden erzählen und den Mädchen und dem Schlafmangel. In meinem Kopf gab es tausend Dinge die hätte sagen können, und meine Lippen formten sich schon, und ich atmete, als ob ich gleich sprechen würde. Aber es kam kein Ton heraus. Mein Hals war irgendwie beklemmt zugeschnürt.
Er: "Ja... Dann sag Du mal weiter nichts? ... Ich wollte nur sagen, daß Du jetzt mal Deine Freiheit -die Du ja hast!- geniessen sollst. Ich wollte Dich dabei nicht stören, schlaf mal schön, und wir reden dann ein andermal, nä? Tschüß!"
Ich: "Äh... ja... Aber..." Ich stammelte nur dummes Zeug.
Er: "Ja, ist gut jetzt! Bis dann!"
Ich: "Bis dann..."
Er legte auf, ich weiß nicht ob er mein "Bis dann" noch hörte.
Bis um 6 Uhr 30 lag ich hier rum und dachte an nichts. Ich atmete und versuchte zu schlafen. Mein Magen fühlte sich an, als ob gerade jemand reingetreten hätte. Ich rollte mich seitlich zusammen und hörte beim Einschlafen noch, wie Fauchi aufwacht und Richtung Sonne marschiert.
Um 9 Uhr 30 klingelte mein Wecker. Die Mädchen frühstückten schon und gackerten. Die Sonne schien, und Fauchi badete darin.



Ich legte mich mit einem Kaffee zu ihm in die Sonne um aufzuwachen.
"Guten Tag, mein lieber Faucher." Er pustete.
Gleich treffe ich mich mit meinem lieben Bruder in "der alten Heimat". Da ist Stadtfest, und wir werden "alte Leute" treffen. Ich freue mich schon.
Heute wird ein guter Tag.

Rippchen!

20. April 2011

Letzte Nacht konnte ich nicht schlafen.
Also so gar nicht!
Und immer wenn ich dachte "Verdammte *⅘∺♬ù#!!! Jetzt aber!", konnte ich noch weniger schlafen. Das ist mir schon ein bekanntes Phänomen. Ich weiß, daß ich morgen ganz früh raus muß. Früher als sonst, also kann ich nicht schlafen. Dann gucke ich auf die Uhr und denke "MAH! Nur noch soundsoviel Stunden Schlaf!" Und bei jedem Mal gucken ist es eine Stunde weniger.
Ja und gestern ging wirklich nichts mehr. Ich hatte schon Tee, ein Buch, den Fernseher, sogar warme Milch gab es. Davon hatte ich aber nur Bauchweh. Ich überlegte eine weitere Stunde und kam zu dem Entschluß, daß ich vielleicht doch nochmal rausgehen sollte. Es war schon fast zwei Uhr, und um halb sieben sollte ich aufstehen. Also dachte ich, ich ziehe mich schnell an und gehe den kurzen Pudding.
Äh. Pudding.
"Um den Pudding gehen" - Einen kleinen Spaziergang machen.
Der "kurze" Oder der "kleine Pudding" ist ein ganz kurzer Weg. Perfekt geeignet in Nächten wie dieser.
Also. Hose, Pulli, Schuhe an, losgehen.
Und dann ging ich, und ich atmete. Bei jedem Mal Einatmen wollte ich die gute frische Frühlingsnachtluft einatmen, in mir wirken lassen und behalten. Bei jedem Mal Ausatmen wollte ich hirnzerreissende Kopfmonster und diese biestigen kleinen Seelenfresserchen loswerden. Ich konzentrierte mich also völlig auf meine Atmung und kam in einen tollen Rhythmus. Gehen, atmen, rein, raus. Ein tolles Lied entstand. Ich merkte, wie es wirkt. All diese gemeinen kleinen Viecher stoben schreiend aus mir, verschwanden im Nachthimmel oder verfingen sich in Baumkronen. Ich glaube, ich habe gelächelt. Gleich ist alles gut. Ich kann in mein Bett gehen und einfach schlafen.
Gehen, atmen, rein, raus.
Aber dann... und damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet...
Ein kleiner hinterhältiger Kopfsteinpflasterstein hat sich mir todesmutig vor die Füße geschmissen. Er rief: "JEEEETZT!!!!", und eine kleine Parkplatzschranke schnellte auf mich zu und schulterte mich sehr unsanft. So hing ich dann also über dieser kleinen mittlerweile unscheinbar wirkenden Schranke und fluchte und balancierte. Zuerst dachte ich, daß ich gleich noch einen filmreifen Salto vorführen würde, aber ich konnte meine Füße dazu überreden, daß sie die Erdanziehungskraft doch nicht für so abwegig halten.
Und dann stand ich da schnaubend.  Ich wusste nicht ob es Schmerz oder Wut ist was da so in der Magenkuhle sticht. Ich überlegte noch kurz, ob ich mich vielleicht übergeben muß, aber das fand dann doch irgendwie unpassend. Es war mir auch egal. Ich wollte nur nach Hause. Wieder daheim angekommen merkte ich, daß die Wut siegt. Ich legte mich grummelig wieder ins Bett und schlief erstaunlicher Weise sofort ein.
Ebenso überrascht war ich heute Morgen, daß ich so ausgeschlafen war. Es war als hätte ich mindestens drei Stunden mehr Schlaf gehabt, als ich tatsächlich hatte... Ich ging mit meiner lieben Tochter und Fauchi zur Arbeit, und alles war gut. Zwischendurch spürte ich dieses kleine Stechen von letzter Nacht wieder, aber ich ignorierte es. Zum Feierabend hin wurde es heftiger. Ich ignorierte es weiterhin und ärgerte mich über diesen Stein, der einfach nur da liegt und hinterher behaupten würde, er hätte sich nicht bewegt. Schwören würde er! Und die Schranke würde sogar unter Androhung eines Monteurs nichts anderes behaupten.
So ging ich mit der Schröte dann hinters Haus, und die ganze Stadt schien zu schlafen. Alles war ruhig, die Vögel zwitscherten verhalten, und die Sonne schien angenehm.
Das Stechen aber wurde so heftig, daß ich kaum Luft bekam. Mir wurde schwindelig, und ich beschloß doch lieber zum Arzt zu gehen. Meine Hausärztin ist eine furchtbar liebe Frau. Sie tastete meinen Bauch und meinen Rücken ab und lachte herzlich als ich erzählte, wie der Stein und die Schranke nachts harmlose Spaziergänger um den Verstand bringen. Sie rief im Krankenhaus an, und ich sollte gleich zum Röntgen hinkommen.
Im Behandlungsraum sollte ich noch einem Moment warten bis der Arzt kommt. Meine Bilder hingen schon an der Lichtwand, und ich guckte auf meine Rippen. Zwei nebeneinander liegende Rippen im mittleren Brustbereich standen etwas zurück. Man konnte deutlich erkennen, daß so eine Verletzung nur von einer Art Balken kommen kann. Einer Schranke zum Beispiel...
Für einen kurzen Moment dachte ich, ich hätte ein kleines fieses Kichern gehört...
Mittlerweile sah ich auch wirklich etwas durchnächtigt aus. Dem Arzt konnte ich glaubhaft versichern, daß niemand mich mit einem balkenförmigen Gegenstand geschlagen hat. Ich erzählte ihm einfach, ich wäre gestolpert...
Bei der einen Rippe spricht man noch von einer Prellung. "Die Verformung des Rippenbogens wird sich in ein paar Tagen legen... Sie haben Glück gehabt. Mit etwas mehr Gewicht wären beide gebrochen."
Ja, da habe ich dann wohl Glück gehabt. Die andere Rippe ist "angebrochen".  
seufz
Ich hab noch genug Arnika im Haus, das wird schon wieder.
Ich habe bereits überlegt, ob ich den Stein einfach mit Farbe in Quietschorange markiere. Eines Tages wird ein Straßenbaumensch mit einem großen Hammer kommen. Und die Schranke... Die wird eh regelmäßig einfach überfahren. Darum muß ich mich nicht kümmern.
Jetzt hole ich mir noch ein Kühlkissen und bleibe so lange still liegen, bis ich schlafe.



Gute Nacht.

 
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